Dirty Race Murr – erste AK-Platzierung in 2019!

Dirty Race Murr Beitragsbild

Heftig & dreckig!

Murr – eine kleine Gemeinde nordöstlich von Stuttgart – ist seit Jahren Ende Januar ein begehrtes Ziel für die MultiSport-Gemeinde. Neben Norman Stadler, Sebastian Kienle oder Kathrin Müller trugen sich auch Kathi Wolff, Malte Plappert und Andi Böcherer in die Siegerlisten ein. Somit war es nicht überraschend, daß der Challenge-Roth-Sieger von 2015 Nils Frommhold seine Startunterlagen direkt vor mir abholte. Ein weiterer Challenge-Roth-Sieger, jedoch aus dem Jahre 2009, Michael Göhner checkte sein MTBs ebenfalls in die Wechselzone ein.

Die Startaufstellung begann bereits 10 Minuten vor dem eigentlichen Start, so daß alle Profi-Sportler und namhafte AK-Athleten namentlich vorgestellt und an die vorderste Startlinie gebeten wurden. Es reihten sich neben den eben genannten Größen auch die beiden Bundesliga-Athleten Martin Diebold und Frederik Henes sowie Kathi Wolff ein. Alle Alterklassen- und Hobby-Athleten rückten kurz vor Start auf. Die Temperaturen lagen bei ca. 2 Grad. Genug, um den Schnee seit Stunden tauen zu lassen. Es würde also „dirty“ werden.

Laufstart – 5k.

Der Startschuß fiel und die Meute rannte wie von Sinnen zwischen Sportplatz und Sportheim hindurch auf die erste Laufrunde. Der geteerte Radweg führte um den Sportplatz herum, auf dem die MTBs für die zweite Disziplin warteten. Frommhold, Diebold und Henes führten das Feld an, welches sich langsam aber sicher auseinander zug. Ich hatte mich im ersten Drittel einsortiert und versuchte mitzuhalten. Meine Atmung als auch ein Blick auf meine Suunto Ambit verriet mir, daß die ersten 500 Meter mit 1:47 Minuten zu schnell waren. Zumindest für mich. Ich versuchte etwas Geschwindigkeit raus zu nehmen und pendelte mich bei ca. 4 Minuten pro Kilometer ein.

Dirty Race Murr - Laufkilometer 1 - kurz nach dem Start. Photo credit SANDRA
Dirty Race Murr – Laufkilometer 1 – kurz nach dem Start. Photo credit SANDRA

Die Laufstrecke führte an der Murr entlang. Schlängelte sich nach kurzer Zeit ebenfalls wie das Flüsschen unter einer Schnellstrasse hindurch. Nach weiteren dreihundert Metern ging es links auf gefrorenen Feldwegen überraschend rapide bergan. Da ich die Streckenführung nicht kannte und nur den ersten Kilometer mit dem Rad abgefahren war, hatte ich mich für meinen Straßenschuh Adidas AdiZero entschieden. In diesen Augenblicken hätte ein Cross-Schuh deutliche Vorteile gebracht. Doch zu spät. Ich verlor einige Plätze aufgrund der schlechten Traktion.

Nach Laufkilometer 3 war der Ausflug über Stock und Stein beendet und die Wendeschleife vollständig gelaufen. Man kam wieder auf den Radweg und es ging zurück in Richtung Sportlatz. Einige der langsameren Athleten kamen mir entgegen, so daß ich für den zweiten Lauf einen guten Rennüberblick erwartetete.

Die letzten zwei, dreihundert Meter vor Erreichen der Wechselzone versuchte ich betont locker zu laufen. Klappte nicht wirklich 😉 20:18 Minuten nach dem Startschuß begann ich mein Wechselplatz auf der Tartanbahn zu suchen.

Dirty Race Murr - Wechselzone auf der Tartanbahn.
Dirty Race Murr – Wechselzone auf der Tartanbahn.

Wechsel 1.

Ich hetzte durch die sehr schmalen Reihen vereinzelt an Athleten vorbei und sah noch sehr viele Räder in Ihren Ständern stehen. Glücklicherweise hatte ich mir wieder einen markanten Punkt am Rande der Wechselzone gemerkt, so daß ich mein MTB sehr schnell fand. Zack, zack, Schuhe aus. Mit naßen Socken auf naßem Gummitartan Helm übergezogen. Ein schneller Schluck aus meiner Trinkflasche und hinein in die Rad-Schuhe. Jetzt würde definitiv der dreckige Teil des Dirty Race Murr beginnen.

Mountainbiken – 15k.

Die Radstrecke umfasste zwei identische Runden zu je ca.7,5k. Die ersten Meter verliefen eben auf geteertem Radweg. Das Schmelzwasser des Schnee verspritzte die Gesichter der Athleten bereits zu diesem Zeitpunkt. Das Spritzwasser war teilweise so stark, daß ich mir trotz Windschattenfreigabe ein Windschattenfahren gut überlegte 😉

Dirty Race Murr - Radkilometer 2 - an der Mauer vom Scherberg! Photo credit SANDRA
Dirty Race Murr – Radkilometer 2 – an der Mauer vom Scherberg! Photo credit SANDRA

Die Streckenführung war nicht allzu technisch. Es gab so gut wie keine echten Single-Trail-Abschnitte und pro Runde zwei, drei kniffelige Stellen. Der Rest der Strecke verlief auf Naturwegen. Natürlich waren diese aufgrund der Witterung sehr aufgeweicht und entsprechend schlammig. Eine Schlüsselstelle des Rennens war die Rampe hoch zum Scherberg. Auf nur kapp 300 Meter Länge ging es über 30 Höhenmeter hinauf. An dieser kurzen geteerten Steigung schob sich das Feld wieder ein Stück zusammen. Die Sekunden, die man auf der Ebene gut gemacht hatte, verlor man als weniger guter Bergfahrer nun hier am Berg. Mein Puls bewegte sich jenseits der 170 Schlägen und ich war heilfroh, als ich wieder rechts ins matschige Gelände abbiegen konnte. Es mussten zwar nun auch weiterhin Höhenmeter gut gemacht werden, jedoch über mehrere Kilometer Länge.

Dirty Race Murr - Radkilometer 6 - an dieser Stelle folgenten in der 2. Runde etliche Stürze! Photo credit SANDRA
Dirty Race Murr – Radkilometer 6 – an dieser Stelle folgenten in der 2. Runde etliche Stürze! Photo credit SANDRA

Nach und nach setzte ich mich von der Gruppe ab, mit der ich die erste Runde fast gemeinsam gefahren war. Da ich nun wusste, was auf mich wartete, beschloss ich risikofreudiger in die zweite Runde zu gehen. Als ich diese Entscheidung gefällt hatte, sah ich vor mir Nils Frommhold auftauchen. Durch seinen Erdinger-Alkoholfrei-Dress samt Berliner Bär auf der Schulter eindeutig zu erkennen. Er schob sein Rad! Wie ich später im Ziel erfahren sollte, war ihm die Kette gerissen. Was ein Pech! Dies war somit sein dritter Start beim Dirty Race Murr mit seinem dritten Defekt!! Drei Rennen, drei DNF! Ich drücke ihm für die nächste Austragung beide Daumen!

Dirty Race Murr - Radkilometer 12 - steile Schikane. Photo credit Peter Willig
Dirty Race Murr – Radkilometer 12 – steile Schikane. Photo credit Peter Willig

Als ich zum zweiten Mal den knackigen Anstieg zum Scherberg hoch kurbelte merkte ich nicht nur meine Kräfte zeitweilig schwinden, sondern auch die Kälte und Feuchtigkeit in den Knochen. Ich war völlig durchweicht. Äußerlich begann der Matsch schon wieder auf mir zu trocknen. Ob der Schweiß verkrustete Erdstückchen oder der Matschregen des Vordermanns mir die Sicht erschwerte kann ich im Nachiniein nicht mehr sagen. Lediglich, daß es immer schwerer wurde klar zu sehen. Insbesondere bei den Schikanen und rasanten Abfahrten über Obstwiesen war es extrem wichtig klare Sicht und kein Dreck im Auge zu haben.

Wechsel 2.

Letztendlich fuhr ich die zweite Runde fast zwei Minuten schneller als die erste und kam nach einer Gesamtzeit bis dato von 56 Minuten und 26 Sekunden in die Wechselzone zurück. Ich sah nicht nur anders aus, ich fühlte mich auch anders 😉

Nach weiteren 57 Sekunden verließ ich ohne Rad, dafür mit durchweichten Laufschuhen an den Füßen die Wechselzone erneut. Da die Wechselzone gute 100 Meter lang war, beschränkte sich die Wechselzeit wirklich nur auf Rad abstellen, Radschuhe aus- und Laufschuhe anziehen. Die restlichen 47 Sekunden benötigte ich zu Bewältigung der Laufwege!

2. Lauf – 4k.

Die ersten Meter nach dem Radfahren fühlen sich in Laufschuhen ja immer wie auf Eiern an! Auch diesmal. Hinzu kamen das Gefühl von kalten aufgequollenen Füßen. Die Laufbeine fand´ ich nach wenigen Hundert Metern. Meine Lauffüße hingegen brauchten mehrere Kilometer um sich wieder halbwegs gut anzufühlen.

Und doch geschah in meinem Kopf etwas sehr faszinierendes, was ich so nur selten erlebt hatte. Ich fühlte mich extrem fokussiert und mental ausgeglichen. Dies wirkte sich positiv auf mein gesamtes Körpergefühl aus! Sicherlich war es Quälerei, doch fühlte es sich gut an! Mein Laufrhythmus wirkte harmonisch und ich erhöhte meine Geschwindigkeit. Die von Klaus Ruscher verordneten Intervalle samt Koppeltraining schienen Wirkung zu zeigen!

Die abschließende Laufrunde war bis auf die anfängliche Schleife um den Sportplatz von Murr identisch mit der ersten. Also ging es den Radweg an der Murr hinaus. Über ca. 63 Höhenmeter und vereiste Feldwege in die Schleife, um danach wieder auf geteerten Wegen zurück zum Ziel zu laufen! So lange ich auf sicherem Untergrund unterwegs war, versuchte ich alles raus zu holen, was ging!

Kurz bevor ich auf den vereisten Feldweg einbog kam mir Frederik Henes als Gesamtführender entgegen. Somit hatte er über zwei Laufkilometer Vorsprung. Gefühlt eine knappe Minute später lief mir Martin Diebold an zweiter Position entgegen, dicht gefolgt von Björn Laibacher. Wahnsinn, was diese Jungs für eine Pace laufen können …. und zack! Direkt als ich auf den Feldweg einbog, rutsche ich mit dem linken Fuß aus und lag im vereisten Matsch! Innerhalb einer Sekunde stand ich wieder und rannte weiter. Dieser Schreckmoment hatte mich aus den Gedanken gerissen!!! Glücklicherweise war nichts passiert. Ich konzentrierte mich auf das Hier und Jetzt. Und dies war der schwierigsten Teil der Laufstrecke. Diesen meisterte ich zügiger als beim ersten Mal und konnte im Anschluss auf der Zielgerade über die restlichen 1,5k alle verbliebenen Körner verschießen!

Ziel.

Dirty Race Murr - Ziel - paniert ... im doppelten Sinne ;-) Photo credit SANDRA
Dirty Race Murr – Ziel – paniert … im doppelten Sinne 😉 Photo credit SANDRA

Die Lunge brannte … meine 2. Laufzeit von 15 Minuten und 18 Sekunden für 4 Kilometer sich allerdings auch in die Ergebnisliste ein! Hammer!!! Im ersten Lauf eine 4er Pace auf 5k, ein souveränes Mountainbiken und zum Abschluss nochmals eine 3:50er Pace auf 4k laufen zu können ist für mich sehr sehr gut!

Ich bin hochzufrieden und gleichzeitig etwas überrascht über meine Tagesform! Im Gesamtklassement wurde meine Leistung mit dem 21. Rang belohnt. Und in einer Altersklasse mit dem 2. Platz! Lediglich 32 Sekunden trennten mich vom Altersklassensieger! Was für ein Rennen ….

Dirty Race Murr - Das war mein Rennen!
Dirty Race Murr – Das war mein Rennen!

Ein großen Dank an dieser Stelle an die Veranstalter des Dirty Race Mur für ein professionell organisiertes Rennen, ausgefallene Finishergeschenke, tolle Moderation und – ganz wichtig – sehr viel Humor und gute Laune 🙂

Abschließend noch der Link zum Artikel der Marbacher Zeitung.

Dirty Race Murr

Typ: Cross-Duathlon

Distanz: 5 -15 – 4k

Datum: 26. Januar 2019

Nenngeld: 38 €

1. Laufstrecke:

Start zwischen Sportplatz und Vereinsheim der Gemeinde Murr / Steinheim. Zuerst wird eine weitreichende Schleife auf geteertem Radweg um den Sportplatz gelaufen; im Anschluß Richtung Murr und dran entlang; nach Laufkilometer 3 beginnt die Schleife auf Feld- und Forstwegen mit Anstieg; die restlichen zwei Kilometer verlaufen wieder auf geteertem Radweg; Gesamtanstieg ca. 63 Höhenmeter.

MTB-Strecke:

Technisch nicht sehr anspruchsvoll, keine SingleTrail-Passagen, überwiegend Feld- und Wiesenwege, ca. 20% geteerter Radweg, zwei steile Abfahrten sowie eine sehr steile Rampe machen das Profil anspruchsvoll, Gesamtanstieg ca. 240 Höhenmeter;

2. Laufstrecke:

Die zweite Laufrunde ist – mit Ausnahme der Schleife um den Sportplatz – identisch mit der ersten.

Organisation
95%
Strecke
70%
Publikum
85%
Erlebnis
80%
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